Der schwarze Tag der Abreise

Eigentlich rechtfertigt der Abreisetag keinen Eintrag, unserer sollte aber etwas, nein sehr viel anders verlaufen als gedacht. Und es sollte ein langer, laaaanger Tag werden.

Was das Aufstehen anbetraf so ging es natürlich früh los. Immerhin musste um 9 Uhr die Kabine geräumt sein. Also früh raus und all das Packen was nicht in der Nacht schon im Koffer gelandet war. Danach stand dann erst einmal ausgiebig frühstücken an. Wir hatten ja Zeit, unsere Transferzeit war mit 13:00 Uhr angegeben gewesen.

Gegen 11 Uhr saßen wir gemütlich vor der Beach Bar und spielten Karten als uns eine Durchsage aufhören ließ. Alle Passagiere mit unserem Flug sollten sich in einer halben Stunde in der AIDA Bar einfinden. Kein gutes Omen…

In der AIDA Bar wurden wir mit Sekt begrüßt. Etwa doch kein unerfreuliches Treffen? Doch, das sollten wir aber erst erfahren, nachdem jeder der Gäste ein Glas Sekt in den Händen hielt. Die Hiobsbotschaft lautete: Unsere Maschine steht zum Reparieren in Manchester. Keiner weiß, wann sie dort wieder abhebt.

Nach Schilderung des General Managers musste unser Flugzeug wegen technischer Probleme auf dem Atlantik umdrehen und sollte nun repariert werden. Es habe eine Fehlermeldung gegeben und ein Weiterflug sei dann nicht möglich. Na super. Eigentlich hatte unser Flug gegen halb 5 am Nachmittag losgehen sollen, schnell wurde aber klar, das wird nicht ansatzweise etwas. Die Flugzeit von Machester nach Punta Cana beträgt allein schon 9 Stunden. Und das Ding musste ja nun auch erst noch repariert werden…

Uns wurde also verkündet, dass es mit unserer Transferzeit – nachvollziehbarerweise – nichts wird. Wir sollten uns daher erst um 18:30 Uhr an den Bussen einfinden, also knapp 6 Stunden später. In der Zwischenzeit dürften wir uns dankenswerterweise weiterhin frei auf dem Schiff bewegen und natürlich auch zum Essen gehen. Man war sogar so nett, uns die Wellness Oase freizuschalten und drei Tageskabinen wurden angeboten, um sich noch einmal frisch zu machen. Man solle sich dabei aber kurz fassen, damit sich die betroffenen Gäste ggf. abwechseln können. Da unsere Koffer bereits im Terminal standen, hatten wir aber kein Interesse daran, uns diesen noch einmal wieder zu holen. Stattdessen verbrachten wir den weiteren Nachmittag – wie gewohnt – auf unserer Gammel-Insel.

Vorher hatten wir aber noch ein Interesse daran, etwas Schriftliches bzgl. dieser Verspätung zu erhalten bzw. abgeben zu können. Wer sich schon einmal ein wenig mit den Problematiken des deutschen Reiserechts auseinandergesetzt hat, der weiß: Man muss 2x meckern, schon während der Reise und dann noch einmal innerhalb von einem Monat danach. Mängelanzeige bzw. -rüge und Anspruchsgeltendmachung nennt man das. Wer nicht riskieren will, dass man später auf diese Formalitäten verwiesen wird, wenn man reiserechtlich Minderung oder ggf. auch Aufwendungs- oder Schadensersatz verlangt, der macht rechtzeitig einmal den Mund auf oder bringt etwas zu Papier. Die AIDA stellte sich hier leider etwas sprerrig dar. Es wäre ja schließlich ein Problem der Fluglinie, da könne man uns nichts Schriftliches zu geben. Da die AIDA aber aufgrund unserer Pauschalbuchung unser Reiseveranstalter war, gaben wir uns mit dieser Aussage nicht zufrieden. Nach ein wenig hin und her durften wir eine schriftliche Mängelrüge abgeben, deren Empfang man uns quittierte.

Davon unabhängig hat man als Flugreisender Ansprüche nach der EU-Fluggastverordnung. Je nach Entfernung bestehen ab einer bestimmten Verspätungsdauer gestaffelte Ersatzansprüche, welche binnen 2 Jahren ggü. der Fluglinie geltend gemacht werden müssen. Hier ist keine Mängelrüge vor Ort nötig, man sollte aber dennoch akribisch Nachweise wie Bescheinigungen und Quittungen sammeln. Mitunter sind die Fluglinien wohl sehr unbequem, wenn es um Zahlungen von bis zu 600 EUR (wie in unserem Fall) geht.

So viel zu Rechtsfragen des Reiserechts für angehende Vielreisende! 😉

Nach den Formalien machten wir uns dann einen so angenehmen Tag auf dem Schiff wie es denn möglich war. Wenn man eigentlich auf Abreise eingestellt ist, ist es natürlich nicht mehr so richtig erholsam. Hinzukam, dass wir bei planmäßiger Ankunft daheim noch einen Restsonntag gehabt hätten, bevor wir am Montag wieder auf der Arbeit aufschlagen müssten. Dieser Zeitpuffer schmolz gerade dahin…

Um 18:30 Uhr fanden wir uns also an den Bussen ein, in recht guter Stimmung, da wir ja dachten, dass man uns informiert hätte, wenn es nun mit der Rückreise nichts werden würde. Dort eröffnete man uns aber, dass heute kein Flug gen Heimat mehr gehen würde, wir sollten erst zum Flughafen und dann in ein Hotel gebracht werden. Vom Schiff mussten wir jedenfalls runter, denn das wollte ja wegfahren, höchstwahrscheinlich ohne die Gäste, welche sich derzeit noch in dem Flugzeug – wo auch immer es um diese Zeit war – befanden. Es gab also noch Leute, die schlechter dran waren als wir.

Am Flughafen trafen wir leider nicht auf den angekündigten Mitarbeiter der Condor. Stattdessen gaben wir etwas planlos unsere Koffer auf, ohne zu wissen warum eigentlich. Es sollte ja in ein Hotel gehen! Wir nahmen Duschsachen heraus und sagten unseren Habseligkeiten schon einmal Lebe Wohl. Dann ging es auf den letzten Ausflug der Reise: Punta Cana bei Nacht.

Im Hotel angekommen, leuchtete uns diese Prozedur allerdings ein: Wir waren nicht gekommen um zu bleiben, sondern lediglich um verköstigt und dann zum Flughafen zurückbefördert zu werden. Unser Flug sollte nämlich nun um 3 Uhr morgens gehen, gegen Mitternacht ging es daher nach einem kurzen Abstecher in ein wirklich schickes All Inclusive Hotel mit riesiger Anlage und mehreren Restaurants und Bars wieder zurück zum Flughafen Punta Cana. Und dort warteten wir… bis es dann endlich um etwa 4 Uhr morgens, mit fast 12 Stunden Verspätung, wieder zurück Richtung Heimat ging.

Nachvollziehbarerweise hängt uns diese Rückreise-Odyssee reflektierend etwas nach. Die Urlaubs-Erholung war schließlich ziemlich weg als wir Sonntag Nacht daheim ankamen und gleich am nächsten Morgen wieder früh aufstehen mussten, um das Geld für die nächste Kreuzfahrt zu verdienen – das alles natürlich auch inklusive Jetlag.

Die Abwicklung unserer Verspätungsfolgen hat aber überaus gut und auch überraschend schnell geklappt und man muss auch sagen, dass die AIDA Mitarbeiter/innen bemüht waren, uns den letzten Tag trotz allem Unmuts so angenehm wie möglich zu machen. Auch wenn die Rückreise unseren Erholungswert sicherlich nachteilig beeinflusst hat, versuchen wir uns den Eindruck einer im Wesentlich doch sehr schönen Reise davon nicht trüben zu lassen. Wir haben viel gesehen, sowohl auf dem Schiff wie auf dem jeweiligen Festland. Wir haben zuzugebener Maßen sehr viel gegessen und auch das ein oder andere Bier oder Glas Wein vernichtet. Vor allem aber haben wir einen sehr schönen, interessanten und auch entspannten Urlaub verlebt und das genau auf die Art und Weise wie wir Urlaub am liebsten mögen: von einem Schiff aus. Es wird nicht unsere letzte Reise mit der AIDA gewesen sein und auch die Karibik wird uns wieder haben. Es fragt sich allein, wann.

Jetzt bereiten wir uns erst einmal auf die nächste Schiffsreise vor: Von Mallorca nach Hamburg geht es in Kürze mit der Mein Schiff 1. Wir freuen uns natürlich schon drauf und werden auch berichten!

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