Übel, äh über den Golf von Biskaya nach Le Havre

Meine Nacht war unruhig gewesen, trotz einschlägiger Magenmittel. In den frühen Morgenstunden kam allerdings das Gefühl auf, dass sich die See etwas beruhigte. Gut, dass heute ein Seetag war und wir ausschlafen konnten. Ich hatte noch etwas Schlaf nachzuholen… Und das graue Wetter an diesem Seetag sprach nicht dagegen.

Die erste Mahlzeit war heute das Mittagessen. Da Kohlenhydrate dem Magen etwas zu tun geben und damit Übelkeit und deren Entourage vorbeugen, entschieden wir uns für Pizza und Pasta im La Vela. Und tatsächlich, es ging mir danach wieder etwas besser.

Die wirklich sehr kurze Überlegung, dem Fitnesstudio einen Besuch abzustatten, verwarf ich dennoch wieder. Wo ich auf der letzten Kreuzfahrt fast täglich gesportelt hatte, fiel die körperliche Betätigung auf dieser Reise eher mau aus. Zugeben, diese Reise hatte sehr viel mehr Bewegung inklusive als es in der Karibik der Fall gewesen war. Das war zumindest ein Trost. Das Fitnessstudio hatte aber auch nicht so den Reiz wie die hübsch gestaltete Kalorienverbrennungsoase auf der AIDAluna. Das lag nicht nur am sterilen Look, sondern auch an der übersichtlichen Größe und damit der recht geringen Anzahl an Geräten. Der Schwiegervater hatte insoweit am Morgen gegen 10 Uhr einen vollen Fitnessraum vorgefunden und festgestellt, dass man hier nicht ohne Wartezeiten auskommt. Auch von den Kursen her, war es für mich nicht reizvoll. Diese dauern im Allgemeinen lediglich 30 Minuten, haben also nur Schnuppercharakter und werden nur morgens bis etwa 10 Uhr und dann erst wieder am späten Nachmittag angeboten. Über den Tag ist das Angebot spärlich. Zudem muss man sich schon am Vortag zur Teilnahme anmelden. Also nix für Spontane. Fazit: etwas mageres Sportangebot aber sind wir mal ehrlich: Schwitzen und Hecheln entspricht ja sowieso nicht so wirklich dem Mein Schiff-Wohlfühlmotto oder? 😉

Wir verlegten uns stattdessen aufgrund der mäßigen Temperaturen draußen – es hatte sogar etwas geregnet – in den Wintergarten der Außenalster zum Kaffee- bzw. Teetrinken, wie in meinem Fall aus Magengründen. Während Bastis Mama später zum Lektorenvortrag zu Le Havre entschwand und die Männer sich am frühen Nachmittag in das Casino verabschiedeten, richtete ich mir hier häuslich ein. Ein gemütlicher Sessel, ein Buch und der Luxus des Alles-Inklusive Angebotes vertrieben mir den Nachmittag. Es hat durchaus seinen Vorteil, nicht jedes Mal darüber nachdenken zu müssen, ob ich mir nun noch einen Tee bestelle oder ne Cola. Wo wir auf der AIDA wohl eher mal einen Trip in das Buffetrestaurant gemacht hätten, da es dort antialkoholische Getränke wie Tee und Cola kostenlos gibt, konnte ich mir hier in aller Ruhe den Hintern breit sitzen.

Basti’s Fazit zum Casino fiel gemischt aus. Obwohl der Raum recht groß ist, ist der eigentliche Casinoanteil recht übersichtlich. 2 Black Jack Tische und ein Roulettetisch werden komplettiert durch ein paar Automaten, die weitgehend dekorative Aufgaben erfüllen. Der Rest ist Barbereich für Raucher. Einer der Black Jack Tische wurde am Nachmittag für das Turnier genutzt (Kostenpunkt 12 EUR), der andere war für die Allgemeinheit geöffnet, Mindesteinsatz 2 EUR. Unserer Herrschaften entschieden sich gegen das Turnier und der Kostenpunkt fiel im Ergebnis etwas höher aus! 😉

Im Wintergarten wurde derweil um mich herum umgeräumt. Um 16 Uhr sollte das „Kochduell“ anstehen. Laut Beschreibung des Tagesprogramms sollte ein Gast gegen einen Mein Schiff-Koch antreten, als Zuschauer sollte man auch Teil der Jury sein können. Meine Schwiegermutter war inzwischen vom Vortrag zurückgekehrt und wir überbrückten die Wartezeit mit einem Besuch im Ankelmannsplatz zum Kuchenbuffet. Damit konnte man auch mehr als genug Zeit überbrücken, da auch hier galt: Anstellen. Naja, aber wohl nicht für alle. Während sich an den verschiedenen Ausgaben Schlangen bildeten, reihte ich mich brav ein. Man will ja nicht als unverschämte Jugend gelten (auf diesem Schiff ist man das auch noch mit 30+). Aber während unserer Reise kam es uns verdrehterweise immer wieder unter, dass gerade die älteren Herrschaften solche sozialen Konventionen wie Sich-Anstellen schlicht ignorierten, sei es am Buffet oder am Bus. Es dauerte für diejenigen, die sich tatsächlich anstellten also im Prinzip noch länger, da sich eilige Personen fortgeschrittenen Alters immer wieder dazwischen schoben. Unser Weltbild litt etwas in diesem Urlaub. Nach einer viertel Stunde hatte ich dann endlich meinen Kuchen auf dem Teller. Das belegte Brot hatte ich schon beim Warten gegessen…

Das Kochduell besaß anschließend dann mehr humoristisches Potential als beabsichtigt gewesen sein dürfte. Wie beschrieben sollte eigentlich ein Gast gegen einen Koch antreten. Dem Mein Schiff Entertainmentstab muss dies aber wohl zu riskant vorgekommen sein, denn man stellte dem Gast einen philippinisch Beikoch daneben. Im Ergebnis führte dies dazu, dass der Beikoch gegen den anderen Koch kochte – der Gast wählte lediglich die Zutaten aus, betätigte einmal die Pfeffermühle und stand im Übrigen etwas verloren daneben. Für das Publikum war offensichtlich, dass dieser sich das auch anders vorgestellt hatte. Dazu kam die etwas unbeholfene Moderation der Kreuzfahrtdirektorin, bei der so recht nix rüberkommen wollte. Das Interview mit dem Gast, zu der Frage, was er denn nun gerade kocht, erübrigte sich ja auch… Um uns herum beobachteten einige Leute das Treiben mit mehreren Fragezeichen im Gesicht. Letztlich wurden aber 3 Personen als Juroren ausgewählt, die nach der Verkostung zu dem Ergebnis kamen, dass das Essen des Gastes besser schmeckte. Glückwunsch zum fragwürdigen Gewinn eines Besuchs im Steakhouse für 2 Personen! 😉

Unsere Wahl zum Abendessen fiel heute noch einmal auf GOSCH. Die Karte ist dort zwar denkbar klein, das tut dem Anstrom von Gästen aber keinen Abbruch. Wir hatten Glück und erhielten eine Tisch am Fenster. Zur Vorspeise kann man aus mehreren kleineren Gerichten wählen wie etwa Matjes oder Aal auf Schwarzbrot oder Salat mit Krabben. Als Suppe gibt es standardmäßig eine Bouillabaise und die Tagessuppe. An Hauptgerichten kann man dann z.B. zwischen einem Grillteller, Garnelen mit Aioli, Krabben mit Spiegelei und Schwarzbrot oder Matjes Hausfrauenart wählen. Qualitätiv war das Essen sehr gut, was uns aber auffiel war, dass die Portionsgrößen sehr stark variierten. Bei unserem ersten Besuch vor ein paar Tagen, waren die Hauptgerichte sehr übersichtlich gewesen. Was zunächst heute aus der Küche an uns vorbeigetragen war, sah hingegen sehr viel reichhaltiger aus. Das spiegelte sich auch in Basti’s Vorspeise, Krabben mit Spiegelei, eigentlich ein Hauptgericht, wider. Ein riesiger Haufen Krabben füllte den Teller. Ich war schon froher Erwartung, denn ich hatte dies als Hauptgericht bestellt. Als dieser aber gebracht wurde, war ich doch etwas ernüchtert. Eine wiederum überschaubare Portion Krabben hatte sich auf meinem Teller versammelt. Basti hatte hingegen etwa 3x so viele gehabt. Mir reichte das zwar, komisch kam es uns aber schon vor. Hier einmal ein Eindruck zu den Standardportionen:

Da an Nachtisch bei GOSCH eher Ebbe herrscht (es gibt Mango-Crème brûlée oder Rote Grütze) holten wir uns noch ein Eis aus dem Ankelmannsplatz bevor Basti und ich zum Koferenzraum gingen. Hier gab es heute Abend einen Lektoren-Vortrag zur Geschichte der Kreuzfahrt – natürlich total unser Thema. Lektor war ein pensionierter Schifffahrtseperte, der auch im Internationalen Martimen Museum in Hamburg tätig ist. Dieser berichtete allerlei interessante Dinge, die wir teilweise schon wussten, vielfach aber auch noch nicht. Es ging also von den Anfängen der Kreuzschifffahrt über die Titanic und den Einbruch der Kreuzfahrtbranche während der Weltkriege bis in die aktuelle Zeit. Für uns ein sehr informativer Abend! Die Mein Schiff 1 bot auf der Reise noch mehrere solcher Lektorenvorträge, so auch von einem anderen Lektor zu den jeweiligen Anlegehäfen an. Je nach Thema ist dies sicherlich ein guter, interessanter Zeitvertreib.

Den Abend beendeten wir in der TUI Bar, da wir für die Show „Veronika, der Lenz ist da!“ nicht ganz zielgruppenkonform waren.

 

 

 

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