Unsere Tipps zu belgischer Schokolade und belgischem Bier in Brügge

„Brügge sehen und sterben“ – so heißt es in einem Filmtitel. Zugegeben, der Titel kopiert in recht offensichtlicher Art und Weise das italienische Sprichwort „Neapel sehen und sterben“ und kupfert den Titel eines anderes Film, „Venedig sehen und sterben“ ab, aber im Prinzip bedeutet das ja nur, dass es hier total schön sein soll. Zum Sterben schön sozusagen und zumindest was den „Schön“-Teil anbetrifft können wir dem nur zustimmen. Wir würden es aber bei „Brügge – eine Reise wert“ belassen wollen und nicht mit unserem Leben spielen! 😉

Angelegt wurde heute um 8 Uhr, wir waren für einen Ausflug mit Start um 8:30 Uhr eingebucht. Dazu hatten wir uns entschieden, da man im Hafen von Zeebrugge wiederum lediglich im Containerhafen liegt. In diesem darf man sich nicht einmal frei bewegen, sondern muss ein Shuttle zum Hafenausgang nehmen, will man auf eigene Faust los. Zeebrugge selbst ist ebensowenig sehenswert wie Le Havre, den Weg dahin kann man sich daher ruhigen Gewissens sparen. Ein Ausflug nach Brügge ist damit nahezu imperativ. Da ein einfacher Transfer aber nicht angeboten wurde, entschieden wir uns heute zur Abwechslung einmal für das volle Programm: Stadtführung, Bootstour und danach noch 4 Stunden Freizeit. Das sollte reichen!

Wir kehrten heute zu unserem Standardablauf zurück: Aufstehen, Frühstück im Atlantik und dann vom Wasser auf die Straße gewechselt. Während der halbstündigen Busfahrt berichtete uns unsere sympatische Stadtführerin jede Menge fun facts über Brüssel. Die wichtigste Info für den heutigen Tag war dabei, dass just an diesem Tage die Heilig Blut Prozession in Brügge stattfand, jede Menge Tagestouristen und Verkehrsbehinderungen inklusive. Aber warum sollte uns das schon stören? Tagestouristen waren wir selbst und der Straßenverkehr war uns einigermaßen gleich.

Ebenfalls erhielten wir im Bus die technische Ausstattung für den Ausflug in Form eines Umhängetransponders mit Kopfhörer. Wir vereinbarten uns mit unserer Stadtführerin auf einen Kanal und würden so später auch noch im größten Getümmel den Erläuterungen folgen können. In Anbetracht der Touristenmassen an diesem Tag würde sich das noch als sehr nützlich erweisen. Wir sollten nicht die einzige Führungsgruppe sein, nicht einmal ansatzweise…

Der Bus setzte uns südlich der Innenstadt an einem Busparkplatz am Bargeplein ab. Von hier überquerten wir die Reie, den Fluss, der schon im Mittelalter weitgehend kanalisiert wurde und heute Brügge auch den Namen „Venedig des Nordens“ gibt. Die historische Altstadt Brügges ist nahezu vollständig von Wasser umgeben. Wie uns unsere Stadtführerin mitteilte, wird dieser Teil der Stadt auch „das Ei“ genannt aufgrund der ovalen Form. Auch die Altstadt wird aber noch von weiteren Kanälen durchzogen. Dies waren einst die Stadtgräben bevor Brügge zum 12. Jh. einen Aufschwung erlebte und sich die Stadt innerhalb der neuen Grenzen des Ei’s vergrößerte. Der Aufschwung hatte seinen Grund in einer durch eine Sturmflut entstandenen Verbindung der Stadt zum Meer. Handel lies die Stadt wachsen und machte Brügge in Mittelalter zu einer der reichsten Städte Europas bis der Meerzugang zum Ende des 15. Jh. wieder versandete. Wie gewonnen, so zerronnen – die Stadt verarmte wieder. Erst mit dem Tourismus des 20. Jahrhunderts begann die Stadt wieder zu flourieren – dank der vielen historischen Gebäude, welche seit dem Mittelalter gezwungenermaßen gehegt und gepflegt worden waren. Da die industrielle Revolution Brügge links liegen ließ, gab es auch keinen Grund den baulichen Altbestand zu beseitigen. Aus heutiger Sicht, ein Glücksfall für die Stadt.

Zuerst ging’s durch den Minnewaterpark Richtung Walplein, vorbei am Begijnhof und den Schwänen auf den Wijngaardplein. Auf dem Walplein finden sich dann mehrere Restaurants und die Brauerei „De Halve Maan“, die wir als Treffpunkt für den Nachmittag nach unserer Freizeit vereinbarten (Tipp: In Eingangsbereich der Brauerei kann man durch ein Loch im Boden die Röhren sehen, durch welche das Bier gepumpt wird).

Durch eine Hintergasse wurden wir zur Mariastraat geführt. Hier findet sich eine Ansammlung von Läden mit belgischer Schokolade. Wie uns unsere Stadtführerin erzählte, gibt es 3 Arten von Schokolade in Brügge zu kaufen: Importschokolade, welche nicht sehr teuer sein darf und nicht gut ist, belgische Schokolade, welche durchaus etwas teurer und auch besser ist und die Schokolade, die in Brügge selbst hergestellt wird – natürlich die Beste. Betriebe, die selbst in Brügge fertigen, haben eine Plakette am Eingang oder an der Hausfront, die eine Kakaobohne mit dem Schiftzug „GILDE VAN DE BRUGSE CHOCOLATIERS“ zeigt – laut unsere Stadtführerin ein definitives Qualitätsmerkmal.

Die Mariastraat führt über einen Kanal zur Liebfrauenkirche (aus dem 13. Jh.) auf der rechten und dem Sint-Janshospitaal (aus dem 12. Jh.) auf der linken Seite. Auch hier begegnet man dem ein oder anderen Schwan – diese sollen nach einer Legende einst als Bestrafung auf die Kanäle Brügges gesetzt worden sein.

Über den Hof Ahrens bewegten wir uns nun in die Richtung des Marktplatzes, welche vom nahen Belfried markiert wird.

Wir passierten den späteren Bootsanleger und hielten auf DAS Standardfotomotiv Brügges am zu, die meistfotografierte Flussbiegung der Welt (möglicherweise). Auf dem Weg dorthin passiert man eine weitere empfehlenswerte Brauerei, die „Bourgogne des Flandres“, auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals hinter einem schicken roten Zaun (Zugang von hinten über die Kartuizerinnenstraat).

Auf dem nahen Marktplatz wurde nun pünktlich zu unserer Ankunft die Heilig Blut Prozession gestartet und die Ampulle mit dem Blut Christi zeremoniell aus der Heilig-Blut Basilika geholt um mit dem Festtross für die nächsten Stunden von Kirche zu Kirche zu pilgern.

Wir nahmen daher eine etwas andere Route zurück zum planmäßigen Bootsanleger, um dem Festzug aus dem Weg zu gehen. Vom Wasser aus boten sich dann einige sehr hübsche Ansichten. Wir hatten auch einen überaus unterhaltsamen Bootsmann und eine sehr nette halbe Stunde.

Nach der Bootsfahrt war der kulturelle Teil des Tages beendet und wir leuteten den kulinarischen Teil ein. Unsere 4 freien Stunden standen an und zu allererst hatten wir nun erst einmal Durst. Wir suchten den Eingang zur Brauerei „Bourgogne des Flandres“ und setzten uns in die Sonne, den Booten zuschauen. Man kann hier wohl auch eine Brauereitour machen, wir beließen es aber bei einer privaten Bierprobe.

Nachdem der Durst gelöscht war, sollte es dem Hunger an den Kragen gehen und was muss man in Belgien essen? Genau, Pommes und Waffeln, also gesagt, getan. Beides ist zwar kein Schnapper (Waffel mit Banane und Schokolade für 5 EUR/kleine Portion Pommes für 4 EUR) aber trotzdem sehr lecker. Wir schlenderten derweil gemächlich die Einkaufsstraßen Steenstraat, Zuidsandstraat, Noordzandstraat und Geldmuntstraat hinunter. Die Läden waren heute allerdings wegen dem Feiertag weitgehend geschlossen. Stattdessen hatten die Anwohner gefühlt jeden Stuhl an die Straße gestellt – diese konnten gemietet werden, um den Umzug anzuschauen.

Wir verzichteten und setzten lieber unseren Rundgang fort, der letztendlich in der Brauerei „De Halve Maan“ endete. Auch hier kann man eine Brauereiführung mit Tasting machen. Im Angebot ist entweder die stündliche Führung für 9 EUR (45 Minuten, 1 Bier inklusive) oder die große Führung (nur einmal am Tag, 90 Minunten, 3 Bier inklusive). Wir machten unsere eigene Probe bevor wir zum Treffpunkt mit unserer Stadtführerin und mit dieser zum Bus zurückkehrten.

Rechtzeitig zum Ablegen waren wir zurück auf dem Schiff, der Anlegetag war also gut ausgenutzt. Wir sparten uns das Containerhafen-Gucken und gingen lieber etwas Pasta und eine Pizza zum belgischen Bier legen. Gestärkt verlegten wir uns danach in den Wintergarten der Außenalter und spielten etwas Karten während um uns herum einmal mehr herumgeräumt wurde. Auch heute Abend sollte es Specialtainment, dieses Mal in Form einer Tapas-Kochshow, geben. Wieder wurde also die Showküche aufgebaut, welche heute allerdings von vorneherein mit 2 Profiköchen aus der schiffseigenen Kombüse ausgestattet wurde. Parallel dazu wurde ein Flyer mit dem anstehenden Menü inkl. Nachkochanleitung an die gespannten Gäste ausgeteilt.

Wir blieben also gern sitzen, Kochshows schauen wir eh gern und noch was zum Probieren abgreifen? Warum nicht?! Es war zu verschmerzen, dass die Köche nicht ganz den Entertainmentfaktor eines Steffen Henssler oder Horst Lichter boten. Wie bereits geschildert, ist der Entertainmentfaktor der Mein Schiff ohnehin etwas seichter. Die Idee war aber gut und mal was Neues!

Das Kozept war zudem simpel: Die beiden Köche bereiteten abwechselnd die 6 verschiedenen Tapas zu Anschauungszwecken zu, aus der La Vela-Küche wurde dann Tablett-weise die „Ich hab‘ das mal was vorbereitet“-Version für die Gäste rausgetragen. In chronologischer Folge gab es: Tomatensalat mit Oliven und geriebenem Manchego (ganz lecker), Tortilla mit Chorizo (gut scharf!), Champignons gefüllt mit Spinat (ganz okay), maurische Fleischspieße (ziemlich trocken), Geflügelleber in Sherrysauce (nix für Basti) und Gebratene Banane (nur geil 😉 ) Wer die Original „Mein Schiff-Rezepte haben möchte, der melde sich gern! Hier das Ansichtsmaterial (nicht chronologisch):

Die Tapas

Der ganze Spaß ging bis kurz nach 10 und wir waren nicht böse drum, die Crewshow zu verpassen. Sicherlich, da finden sich auf immer beeindruckende Perlen. Unsere Erfahrung auf der Mein Schiff 4 war aber überwiegend von Ernüchterung geprägt gewesen und wir hatten daher eh wenig Lust hier einen neuen Versuch zu starten. Uns kam das Konzept ketzerisch gesagt wie ein günstiger Entertainment-Abend für Mein Schiff vor…

Wir gingen zum Abschluss daher lieber noch einmal in der Blauen Welt Bar vorbei. Hier war heute eine Konzert mit dem großen Thema „Liebe“, das als Duett zweier Musicaldarsteller, ein Männlein, ein Weiblein, gestaltet war. Begleitet vom Flügel wurden solide bis wirklich schöne Liebeslieder präsentiert. Wo die Shows im Theater den Darstellern mitunter nicht gerecht wurden (oder andersherum), bot dieses Format eine schöne Abwechslung, die tatsächlich begeisterte und rührte. Ein würdiges Ende eines ereignisreichen Tages.

2 Gedanken zu “Unsere Tipps zu belgischer Schokolade und belgischem Bier in Brügge

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