Komm wir fahren nach Amsterdam!

Zehn Tage waren schon herum und wir erreichten unseren letzten Landgang-Stop, Amsterdam. In Amsterdam waren wir schon einmal, von daher unterschied sich unsere Herangehensweise an den Landausflug zum allerersten Mal in unserer Kreuzfahrtlaufbahn: Wir wollten nix Neues entdecken, sondern vielmehr unseren eigenen „best of Amsterdam“ Tag verleben. Aber es ist ja nunmal so, es wird nie wieder wie beim ersten Mal! 😉

Das klingt natürlich etwas dramatischer als es tatsächlich war aber es ist halt doch anders, wenn man von einer neuen Stadt positiv überrascht wird als wenn man versucht, die damaligen Highlights noch einmal genauso zu erleben. Dafür war unser erster Besuch in Amsterdam vor ein paar Jahren einfach zu toll gewesen. Noch immer steht Amsterdam auf Platz 2 unserer Top-Städte-Reisen-ever-Liste (übrigens hinter Barcelona – Hammer-Stadt…!). Bei unserem jetzigen Besuch machte uns aber der Zeit/Touristenmassen Faktor einen Strich durch die Rechnung.

Heute gingen wir etwas später von Bord, erst so gegen 10, halb 11 nach einem gemächlichen Frühstück, zur Abwechslung einmal im La Vela. Auch hier gibt es ein geringfügig abgespecktes Frühstücksangebot – Keinen Fisch, keine Eier, keinen Joghurt. Also im Wesentliche Brötchen und Aufschnitt und süße Teilchen. Das reichte uns, wir wollten ja in Amsterdam was essen.

Der moderne Kreuzfahrtanleger von Amsterdam liegt gerade einmal 10 Fußminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Das ist fix gegangen und schon fanden wir uns im Getümmel wieder. Ordentliches Getümmel sogar. Nach nur einer knappen viertel Stunde stellten wir bereits fest, dass die Stadt brechend voll war. Gut, das konnte am gestrigen Feiertag liegen. Immerhin war heute ein Brückentag, der personifizierte Freund aller Urlaubstage-Trickser.

Wir überlegten kurz und entschieden uns in Richtung des Stadtteils Jordaan zu gehen. Dieser ist übliches Fotomotiv für alle leidenschaftlichen Grachten-Fotografen. Darüber hinaus geht es an der Heren-, Keizers- und Prinsengracht etwas ruhiger zu mit vielen kleinen Cafés und trendigen Läden. Auch wenn wir bestimmt schon mehrere Hundert nahezu identische Fotos von Grachten und Booten und Fahrrädern haben, konnten wir nicht widerstehen, auf dem Weg noch ein paar Duzent hinzuzufügen.

Es dauerte etwas, bis wir uns durchgekämpft hatten und endlich angekommen, stellten wir mit etwas Enttäuschung fest, dass die Menschenmassen auch diesen idyllischen Stadtteil bereits in Beschlag genommen hatten. Erst nach weiterem Suchen, fanden wir ein Café mit Sitzplätzen im Halbschatten am Wasser. Wir passierten bei unserer Suche das Anne-Frank Haus und die Westerkerk und die Schlange vor dem Anne-Frank Haus dürfte für sich sprechen.

Nachdem wir nun einen Platz ergattert hatten, genossen wir diesen eine Weile und schauten den zahlreichen Ausflugsbooten zu. In Amsterdam gibt es die Möglichkeit Hop-On/Hop-Off auch auf dem Wasser zu machen. Da gibt es sogar mehrere Anbieter. Wer also schneller als auf der Straße von A nach B kommen möchte, der kann schauen, ob das in Betracht kommt. Nahezu alle Anbieter haben ihren Hauptanleger in der Nähe des Bahnhofs. Auch fielen uns heute übermäßig viele Sauf-Bootstouren auf. Für 20 EUR all-inclusive kann man sich 90 Minuten lang mit vielen enthusiastischen Fremden druckbetanken. Danach sind die Fremden wahrscheinlich nicht mehr so fremd…

Da unser Frühstück ja heute etwas dünn ausgefallen war (nach 10 Tagen Kreuzfahrt hat man zudem einen erhöhten Nahrungsaufnahmebedarf aufgrund geweiteten Magens), wollten wir uns nun ein Mittagessen suchen. Aus der Erinnerung wussten wir noch, dass am Rembrandtplein bzw. in Richtung dieses Platzes eine Vielzahl von Restaurants zu finden sind. Die Hoffnung war, wo viele Restaurants sind, muss doch noch was frei sein!

Gemächlich machten wir uns auf den Weg und hielten zur besseren Orientierung grob auf den Blumenmarkt zu. Dieser war – wer hätte es erwartet – so voll, dass kaum ein Durchkommen war. Wir ließen die Hanfsetzlinge daher stehen und schwenkten etwas nach Norden ab. Dort trafen wir auf die Kalverstraat, eine der Haupteinkaufsstraßen, die ebenfalls zum Rembrandtplein hinführt. Wenn man diese hinunterläuft und den kreuzenden Kanal überquert, landet man auf der Reguliersbreestraat, die direkt auf den Rembrandtplein zuläuft. Hier gibt es eine Reihe Schnellrestaurants und auch einen der vielen Automatenläden. Was es in den Automaten gibt, verwunderte uns schon bei unserem ersten Besuch. Hier kann man sich nicht Zigaretten oder Schokoriegel ziehen, sondern 24/7 warme Snacks in Form von Burgern und den berüchtigten holländischen Kroketten. Selbstredend ist das keine kullinarische Offenbarung aber nachts um 3 Uhr bestimmt richtig gut. In unserer jetzigen Situation diente es als solide Vorspeise für verhungernde Kreuzfahrtreisende und die Schwiegereltern kannten das Automatenessen ja auch noch nicht. Eine Erfahrung, die man nicht näher bewerten muss.

Ebenfalls in der Reguliersbreestraat findet man das historische Theater Tuschinski, das vor fast einem Jahrhundert, nämlich im Jahr 1921 eröffnet wurde. Heute wird das ehemalige Theater noch immer betrieben, allerdings als Kino mit dem Namen „Pathé Tuschinski“. Bei unserem letzten Besuch haben wir hier einen Film im Kino 1 geschaut, denn dieser „Große Saal“ ist der alte Theatersaal und noch weitgehend im Ursprungslook erhalten, inklusive großer Bühne mit schwerem Vorhang im 20er Jahre Stil. Heute findet sich dahinter allerdings lediglich die Leinwand. Das Ambiete fanden wir damals schon einigermaßen beeindruckend. Für Kreuzfahrttouristen wird es natürlich etwas eng, eine Abendvorführung zu besuchen.

Am Rembrandtplein angelangt, stand erneut die Suche nach einem Tisch an. Wiederum war es einigermaßen voll und wir fanden gerade so ein Plätzchen für 4. Nicht wirklich im Restaurant unserer Wahl aber man nimmt, was man kriegen kann. Immerhin gab es hier auch ein paar holländische Gerichte auf der Karte und ich versuchte es mit Pommes und ein paar Fleischkroketten. Das frittierte Duett war nicht gerade reich an Vitaminen aber stellte einen guten Ausgleich zur Wieckse dar. Was bitte mag jetzt der ein oder andere Fragen? Keine Angst, nicht Anstößiges, sondern ganz simpel holländisches Weizenbier – gibt’s klassisch und in rosa mit Himbeergeschmack für Mädchen.

Nach einem kurzen Wifi-Stop bei Starbucks überquerten wir die Blauwbrug und schlenderten über den Markt am Opernhaus. Dieser war allerdings recht unspektakulär und rechtfertigt keinen Umweg. Wer hier nicht grad langkommt, kann sich lieber anderen Ecken der Stadt widmen.

Auch der nächsten Markt auf dem Nieuwmarkt war nicht spektakulärer. Viel interessanter schien es den meisten Menschen, sich in Cafés und Bars niederzulassen. Auch hier hatten wir in Anbetracht des vortrefflichen Wetters das Nachsehen und fanden keinen lauschigen Platz mehr im Schatten vor, sondern machten stattdessen eine Innenbesichtigung des Restaurants und Cafés „In De Waag“, das – wie es der Name vermuten lässt – im ehemaligen Waagenhaus, welche aus dem 15. Jahrhundert stammt, beheimatet ist.

Um doch noch etwas Spektakuläres zu sehen, machten wir gegen späten Nachmittag noch einen Abstecher ins Rotlichtviertel. Hier war das bunte Treiben schon gut im Gange und die spärlich bekleideten Damen in den Schaufenstern präsentierten bereits betriebig die Auslage. Auch dieser Anblick war für die Schwiegereltern eine nicht näher zu bewertende neue Erfahrung! 😉

Wir passierten noch die Oude Kerk und traten dann den Rückzug Richtung Shopping District an. Wenn wir schon keinen schönen Platz in der Sonne bekommen konnten, dann doch wenigstens ein hübsches Andenken. Die Schwiegereltern kapitulierten von vorneherein und machten sich auf zum anderen Ufer, um das EYE Filmmuseum anzusehen. Auch wir schafften es aber nicht weit und kehrten bald zum Schiff zurück. Auch ein Platz in einem Restaurant zum Abendessen war nicht zu ergattern. Wir gaben uns geschlagen.

Pünktlich zum Abendessen waren wir somit wieder auf dem Schiff. Heute war Käseabend, d.h. jeweils ein großes Käsebuffet im Ankelsmannsplatz und im Atlantik-Klassik. Leider gab es zwar viel Stinkekäse, die Frischkäse- und Hartkäsefront war allerdings sehr dünn besetzt. Es war aber soweit in Ordnung.

Am späteren Abend setzten wir uns zum Kartenspielen in die Himmel & Meer Lounge, eine Bar auf Deck 12 am Bug, in welcher es gesunde Lassis und Gammelliegen aber auch Cocktails gibt. Bis die nahe Abtanzbar mit lauter Musik und überschaubarem Besucheransturm um 22 Uhr öffnete, saßen wir hier ganz gemütlich. Um ehrlich zu sein, war diese Wahl aber wieder einmal dem Umstand geschuldet, dass die Live Musik bietende TUI Bar schon wieder voll besetzt gewesen war. Auch die Show war mal wieder nix für uns. Die mit „virtuos-schmalzige Neuproduktion“ beworbene Schlagershow schreckte uns schon von der Beschreibung her ab. Der zehnte Tag ernüchterte uns wiederum entertainment-technisch etwas. Eine Alternative für jüngere Gäste haben wir leider allzu oft vermisst – aber vll. ist das auch garnicht gewollt…?

2 Gedanken zu “Komm wir fahren nach Amsterdam!

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